Mit großartigen Eindrücken von Andalusien zurück


Geschichte – Kunst – Natur“ – mit diesen Begriffen wirbt Andalusien. Das und noch mehr konnten die 37 Teilnehmer unserer achttägigen Flugreise nach Andalusien reichlich erfahren, bestaunen und erleben, nachdem sie am Nachmittag des 11. April in Sevilla, der Hauptstadt der autonomen Provinz Andalusien gelandet waren. Ein gutes Hotel, von dem man in wenigen Minuten zu Fuß das Stadtzentrum erreichte, bot uns eine Woche lang Unterkunft und verwöhnte uns täglich mit reichhaltigen Büffets.

Die weißen Dörfer – ein Erbe aus maurischer Zeit – waren am ersten Tag Ziel unserer Reise. Das kleine Städtchen Zahara de la Sierra schmiegt sich unterhalb einer Burg rund um den Berg. Hier in der Kirche feierten wir zusammen mit Vertretern der Ortscaritas eine hl. Messe die wir durch Gesang, Lektorendienst und Fürbitten mit gestalteten und bei der unsere Dolmetscherin, Frau Bode, die Ansprache und die freundliche Begrüßung des Pfarrers übertrug. Das uns begleitende, spanisch sprechende Ehepaar Bode aus Heilbronn war auch an den kommenden Tagen stets hilfreich zur Stelle, wenn es um Verständigungsprobleme ging.

In der Stadt Ronda auf zwei hohen Felsplateaus gelegen und durch eine 160 m tiefe Schlucht geteilt, genossen wir in der Mittagspause einige Spezialitäten der Region. Danach stand der Besuch der Stierkampfarena auf dem Programm, die schon manchen Filmen als Kulisse gedient hatte. Auf den berühmtesten Sohn der Stadt, den Torrero Pedro Romero, gehen die Regeln des modernen Stierkampfes zurück. - Beim weiteren Gang durch die Stadt überquerten wir die imposante Brücke über die Schlucht, genossen den großartigen Ausblick hinunter in die Ebene, streiften durch schmale Gassen und über lauschige Plätze in bunter Blütenpracht und mit üppig behangenen Pomeranzenbäumen und besichtigten schließlich die ehemalige Bischofskirche.

Granada, eine der schönsten Städte Spaniens, besuchten wir am nächsten Tag. Die Stadt besticht durch ihre bedeutende Geschichte und Baudenkmäler. Hier begegnen sich arabische und christliche Kultur und Baukunst. Dies entdeckten wir zunächst in den Basar-Gassen der Stadt, Kathedrale und Königliche Kapelle sowie im Altstadtviertel Albaicin, von dem aus der Postkartenblick auf die Alhambra vor den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada möglich ist. - Bei der mehrstündigen Führung durch das UNESCO-Weltkulturerbe Alhambra und Generallife kamen wir aus dem Staunen über die einmaligen Sehenswürdigkeiten nicht mehr heraus. Die fachkundigen Führer ließen durch ihre Schilderungen Geschichte und Ereignisse, die sich hier vor Jahrhunderten abspielten, lebendig werden.

Ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe besuchten wir am folgenden Tag: Cordoba, im 10. Jahrhundert Hauptstadt der westlichen islamischen Welt. Den Guadalquivir querten wir über eine römische Brücke und erreichten die einstmals drittgrößte Moschee des Islams, die Mezquita. Ihre mehr als 1000 Säulen umschließen den ehemaligen arabischen Gebetsraum, dessen Mitte im 16. Jahrhundert zu einer Kathedrale im gotischen Stil umgebaut wurde. Durch enge Gassen, besonders zu erwähnen, die schmale Blumengasse mit malerischem Durchblick auf den Turm der Mesquita, erreichten wir im „Judenviertel“ die frühere Synagoge, bewunderten schmucke Innenhöfe, sog. Patio und gelangten schließlich zur Königsburg, dem Alcazar de los Reyes Cristianos mit wunderschönen Gärten in bunter Blütenpracht und kühlenden Wasserspielen. - Auf dem Rückweg nach Sevilla machten wir einen Abstecher nach Medina Azahara und besichtigten die Überreste eines arabischen Palastes aus dem 10. Jahrhundert. Seine Größe lässt auf die damalige Bedeutung rückschließen. – Endlos weite Hartweizenfelder und riesige Olivenbaumplantagen säumen den Guadalquivir, der mitten durch die Tiefebene, im Volksmund „Bratpfanne“ genannt, fließt.

Am Freitag, den 15. April, unserem nächsten Aufenthaltstag in Andalusien, machten wir uns zu Fuß auf, um den Stolz und die Schönheit der Metropole Sevilla selbst zu erkunden. Alle Schätze, die einst spanische Entdecker und Seeleute aus der Neuen Welt nach Hause brachten, wurden in Sevilla ausgeladen. Kein Wunder also, dass diese Stadt an Reichtum, Sehenswürdigkeiten und Kunstwerken andere überbieten konnte. Wir nahmen unseren Weg quer durch das Viertel Santa Cruz durch enge Gassen, über zauberhaft gestaltete Plätze, vorbei an duftenden Patios hin zum Reales Alcazares, einer Königsburg, die über einem ehemaligen arabischen Palast erbaut wurde und an Prunk, Dekoration und architektonischer Gestaltung kaum zu überbieten ist. Diese Festung ist umgeben von stillen Gärten und Parks mit beeindruckender Vielfalt an Pflanzen und Bäumen. Am Ende unserer Führung stand der Besuch der Kathedrale, drittgrößte Kirche der Christenheit in der sich das Hochgrab von Christoph Columbus befindet - ein Hochgrab, weil Kolumbus nicht in spanischer Erde bestattet sein wollte. Einige unserer Gruppe bestiegen noch die Giralda, ein ehemaliges arabisches Minarett, heute der Glockenturm der Kathedrale. – Überall auf unserem Rundgang konnten wir die umfangreichen Vorbereitungen für die Prozessionen in der Karwoche (Semana Santa) bemerken. Die ganze Stadt fieberte diesem Ereignis entgegen.

Ein beschaulicher Ausflugstag ist vom Samstag, dem 16. April zu vermelden. Wir verließen die Stadt in Richtung Süden, wo wir schon bald die weißen Böden entdeckten, auf denen die Weine für die Sherryproduktion gedeihen. Wie Sherry und Brandy erzeugt werden, wurde uns am Nachmittag in Jerez de la Frontera in einer der größten Bodega erläutert. Natürlich bekamen wir auch Kostproben der edlen Produkte.

Zuvor aber stand eine Schifffahrt auf dem Guadalquivir auf dem Programm. Bei Sanlucar de Barrameda mündet dieser Fluss in den Antlantik. Von hier stachen einst die großen Entdecker in See und hier bestiegen wir unser Schiff. Flussaufwärts ging es, mitten durch den Nationalpark Coto de Doñana, einem bis zum Horizont reichenden Flachland mit Buschwerk, Pinien oder Korkeichen bewaldet und einem Sumpfgebiet, in dem mehr als die Hälfte aller europäischen Vogelarten brüten, überwintern oder rasten. Natürlich war heute weder die Jahres- noch die Tageszeit ideal für Tierbeobachtungen, aber eine große Flamingoschar konnten wir in der Ferne ausmachen.

Die Stadtrundfahrt am Sonntag Vormittag, dem 17. April, führte uns über herrliche Prachtstraßen nicht nur ins moderne Sevilla mit großen Bauwerken für die hispano-amerikanische Ausstellung 1929 und der EXPO 1992, sondern auch in den großflächigen Park Maria Luisa und zur Plaza de España. Hier wird der Anspruch Spaniens deutlich, „Mutter der Neuen Welt“ zu sein.

Am frühen Nachmittag gab es fast kein Durchkommen mehr in der Stadt Hundertausende strömten ins Zentrum, um den Beginn der Prozessionen am Palmsonntag mitzuerleben. Auch wir wollten Zeugen dieser Ereignisse werden, bei dem prächtig geschmückte Tragegestelle mit Darstellungen des Leidens von Jesus oder mit der hochverehrten Gottesmutter durch die Straßen getragen werden, begleitet von dumpfen Trommelrhythmen oder schrillen Trompetenklängen und eskortiert von Tausenden von Nazarenern, das sind Mitglieder von Bruderschaften, die in meist weißen Gewändern und hohen Spitzhüten langsamen Schrittes stundenlang durch die Straßen zur Kathedrale und wieder zur Ausgangskirche ziehen. Ganz Sevilla ist bis nachts um drei auf den Beinen. Das merkten wir besonders, als wir uns abends auf den Weg zur Tapasbar und Flamenco-Show machten. Diese beiden Veranstaltungen bildeten Höhepunkte zum Abschluss unserer großartigen Reise.

Ohne offizielles Programm verlief der Montag Vormittag. Packen, Einkaufen oder Bummeln waren angesagt oder auch noch ein Sprung ins kühle Nass auf dem Dachgarten des Hotels.

Beim Transfer zum Flughafen war es Zeit, unserem überaus kompetenten spanischen Reiseführer Herrn Greyer zu danken. Von der ersten bis zur letzten Minute war er unser Begleiter. Er erläuterte nicht nur die Bauwerke und Städte, sondern gab auch umfassende Einblicke in die Geschichte des Landes bis hin zu seinen aktuellen und künftigen politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Problemen.

Unser Start mit einer Maschine der Air Berlin erfolgte um 17.20 Uhr. Wie auf dem Hinflug gab es auch beim Rückflug eine Zwischenlandung mit Umsteigen auf Mallorca. Die Flüge sowie der Bustransfer nach Untergriesheim verliefen reibungslos und im Zeitplan und beim Abschied in den ersten Minuten des 19. April spürte man, dass die Reisegruppe eine harmonische Gemeinschaft geworden ist, die sich schon auf das Nachtreffen freut.

Anhang: Dieses Nachtreffen ist inzwischen – einige Wochen nach der wunderschönen Reise über die Bühne gegangen. Bei der abschließenden Rückschau in Bildern und Filmen, die von den Reiseteilnehmern erstellt worden waren, wurden die intensiven Reiseeindrücke nochmals lebendig. – Weiterer Höhepunkt dieses gemütlichen Beisammensein war ein köstlich zubereitetes Tapas-Abendessen.

Günter Müller, Vors.